Banksys granadischer Kollege

Faszinieren euch Graffitis? Also, die guten, die wirklich eine Aussage haben? Jene, vor denen man stehen bleibt und sich fragt, wie zur Hölle man mit einer Spraydose solche Kunst zustande bringt? Bei der der Untergrund und die Umgebung Teil der Inszenierung werden? Dann solltet ihr unbedingt bei eurem Besuch in Granada nach den Werken von Raúl Ruíz Ausschau halten. Nun, warum gefällt mir dieser Künstler?

IMG_8572Nackte Menschen sind unbewaffnet. Und damit auch unschuldig. Kinder sind sowieso die Unschuld schlechthin. Nun gibt es da diese Straßenpfosten, der eine solch kuriose Form hat, dass man mit etwas Fantasie auch an die Form einer Granate denken könnte. Granaten und Kinder? Eine explosive Mischung. Granaten gibt es in Kriegen. Und Kinder? Leider auch. Manchmal tragen sie Waffen (und verlieren damit auch ihre Unschuld), manchmal – und leider viel häufiger – sind sie Opfer von Waffen, insbesondere natürlich auch von Granaten.

Auf den ersten Blick wundert sich ein Spaziergänger in dieser Straße womöglich: Warum ist dieses Kind so traurig? Ich habe mich gefragt, warum es die Hände auf dem Rücken hält, als wäre es gefesselt. Warum springt es nicht wie andere Kinder fröhlich umher? Um ehrlich zu sein musste ich zunächst ein Foto von diesem Werk machen, um den Zusammenhang mit der Umgebung zu erkennen. Man lernt eben nie aus. Nun kann sich jeder seine Gedanken selbst machen, aber ich denke, die Message ist ziemlich klar formuliert: Krieg ist sche…

Ihr kennt Banksy nicht? Diesen Londoner Künstler, der überall auf der Welt seine Spuren hinterlässt und klare Botschaften über die Gesellschaft hinterlässt? Meistens sind seine Themen gesellschaftlich orientiert und sprechen aktuelle, soziale Probleme an. Ruíz ist ähnlich, hat aber zudem ein Faible für Popkultur und so finden sich ab und an auch mal Pippi Langstrumpf oder Arielle in seinen Grafittis. Ziemlich geil, oder? Sicherlich einer, den man auch mal im Auge behalten kann.

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Ampelstehermädchen

Da steht sie und wartet. Eingepackt in eine dicke graue Winterjacke, mit Schal und Mütze, die Hände in die Taschen gesteckt. Es ist bereits dunkel, aber die Straßen in der Stadt sind hell beleuchtet. Kaum jemand anderes ist zu sehen. Nur auf der gegenüberliegenden Straßenseite eine Gruppe aus sechs Personen, einem jungen Mann und fünf Frauen, die sich angeregt miteinander unterhalten. Alle bleiben sie geduldig an der Ampel stehen, denken gar nicht daran, sie bei rot zu überqueren.

Ein LKW kommt in hohem Tempo angefahren, bremst seine Fahrt jedoch ab. In diesem Moment schaltet die Ampel auf grün und die Gruppe setzt sich in Bewegung. Die junge Frau in ihrem grauen Mantel schaut zögernd zum heranfahrenden LKW, dann schweifen ihre Augen wieder zu der Gruppe. Noch immer bewegt sie sich nicht weiter, obwohl sie eigentlich die Straße überqueren möchte. Ihr Zögern wird immer länger. Der LKW hat die Ampel fast erreicht, die Gruppe ist nur noch wenige Schritte von ihr entfernt. Noch einmal schaut sie zu dem großen Fahrzeug. Es ist nun selbst für die Frau eindeutig, dass der Wagen an der Haltelinie stehen bleiben wird. Sie seufzt und setzt sich in Bewegung, gerade als die Gruppe sie erreicht hat. Im selben Moment springt die Fußgängerampel wieder auf rot. Die Frau geht dennoch unbeirrt und in gemütlichem Tempo weiter.

Zwei aus der Gruppe drehen sich kurz nach ihr um, schauen sich dann gegenseitig an und fallen in schallendes Gelächer. Ohne eine Antwort von ihren Freunden zu erwarten fragen sie in die Runde: „Auf was hat die denn gewartet?“