Dulce de Leche – Der „Honig“ Argentiniens

Eigentlich ist dieser Titel irreführend, denn Dulce de Leche ist nichts anderes als (extrem) süße Milch mit Zucker und Vanille, die cremig geschlagen wurde.Mit Honig stimmt höchstens die goldbraune Farbe überein, die allerdings nicht annähernd so klar ist. Für Argentinien lässt sich allerdings sagen, dass diese Creme in etwa den gleichen Stellenwert hat wie es Honig für manchen Europäer hat. Heute könnte man es wohl auch mit Nutella vergleichen.

Meine erste Erfahrung mit dieser Süßspeise habe ich in meiner Gastfamilie gemacht.

Dulce de Leche © anjull_ayer
Dulce de Leche © anjull_ayer

Mein Gastvater hat nach dem Abräumen des Tisches abends voller Stolz eine Schüssel Obst auf den Tisch gestellt, ein paar Scheiben geschnittenes Brot und eine Dose voll Dulce de Leche. Seine Gäste, ein Amerikaner und sechs Europäer, hat er dazu ermuntert, sich zu Bedienen. Sich selbst hat er eine Banane gegriffen, sie geschält und munter in den Pott mit der Creme getunkt. Unsicher habe ich ihm dabei zugeschauen und sein Gesicht beobachtet. Genüsslich hat er von der Banane abgebissen und sich die Speise auf der Zunge zergehen lassen. Ich tat es ihm nach, ohne zu wissen, was ich da eigentlich vor mir hatte. Da die Farbe etwas an Karamell erinnert, dachte ich, dass es wohl auch etwas in der Art ist und habe mit dem süßen Geschmack auf der Zunge gerechnet. Ich war nicht zögerlich: Meine Banane troff geradezu vor Dulce de Leche. Als ich sie in den Mund steckte, wartete ich gespannt auf das Geschmackserlebnis – und erlebte einen Schock!

Süß! EXTREM süß! Das ist die einzige Beschreibung, die mir zu diesem Moment einfällt. Ich mag es süß. Ich kann Brote mit unglaublich dickem Nutellaaufstrich essen, mein Tee ist zuweilen so stark gesüßt, dass es andere als ekelhaft empfinden könnten. Klar, das sind Ausnahmen und ich esse in der Regel ganz normal, aber was ich damit sagen will: Etwas Süßes wird von mir nicht gleich als extrem süß wahrgenommen. Dulce de Leche aber hat mich geradezu geschockt. Für mich bekam in diesem Moment das Wort Zuckerschock eine ganz neue Dimension.

Dulce de Leche ist in ganz Südamerika verbreitet, teilweise jedoch unter anderem Namen. Ich kann nur für Argentinien sprechen, wo es neben Mate zweites Hauptnahrungsmittel der Argentinier ist. Vom Brotaufstrich bis zur Torte, von Alfajores bis hin zur Eiscreme, Dulce de Leche gab es einfach überall!

Muffins mit Dulce de Leche für Halloween © jamieanne
Muffins mit Dulce de Leche für Halloween © jamieanne

Die Argentinier sind stolz auf ihre Creme und behaupten auch, dass sie sie erfunden haben. Wer des Spanischen mächtig ist, kann sich hier über die sagenhafte Geschichte informieren. Ich lasse eine Übersetzung an dieser Stelle aus, da sie den Beitrag sprengen würde. Das in Chile verbreitete Manja entspricht nicht Dulce de Leche, ist aber damit verwandt und wird von vielen sogar damit gleichgesetzt.

Nach meiner ersten Begegnung damit habe ich die Finger davon gelassen, weil der Schock einfach zu tief saß. Ich hatte vom Supermarkt-Produkt gegessen und so richtig schmecken tat es nicht. Den Rest der Banane aß ich einfach so, ohne Creme. Dennoch sollte es nicht meine letzte Begegnung damit sein. In der Redaktion von der Straßenzeitung, in der ich kurz gearbeitet hatte, wurde einmal von einem Bauern Dulce de Leche mitgebracht. Die Redakteure hatten sich die Creme extra von ihm bestellt und naschten bereits ganz genüsslich davon, als ich ankam. Da ich keine Chance hatte, selbst etwas zu bestellen – meine Zeit dort war dafür zu kurz – ließ mich eine Kollegin von ihrer Creme kosten. Man könnte auch sagen, sie nötigte mich dazu, denn ich hatte mich ernsthaft dagegen gewehrt. Das Argument „Du kennst nur die Supermarktcreme, aber das hier, das ist viiiiel besser!“ überzeugte mich allerdings zu einem vorsichtigen Löffel voll Creme. Und diesmal schwebte ich geradezu im siebten Himmel!

Die Creme besteht aus Milch, Zucker und Vanille, die auf niedriger Stufe erhitzt werden und ständig umgerührt werden müssen. Wenn man wollte, könnte man sie sicherlich auch selbst herstellen. Ich selbst habe keine Dulce de Leche mehr gekostet und werde es nicht ausprobieren, es selbst zu kochen. Wer aber mal nach Südamerika geht, sollte unbedingt davon probieren und wenn es möglich ist, nicht vom Supermarkt, sondern von einem privaten Hersteller.

Wer es einfach mal probieren will und deshalb nicht gerade den langen Flug auf einen anderen Kontinent auf sich nehmen will, kann das auch in Deutschland: In einigen Feinkostläden kann man die Creme erhalten. Allerdings ist das die selbe, die ihr auch im Supermarkt in Argentinien erhaltet und eben hauptsächlich eines: Süß. Das wahre Geschmackswunder werdet ihr so wahrscheinlich nicht erleben.

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