¡No! (2012)

Den Film ¡No! von Pablo Larraín aus dem No!Jahr 2012 habe ich schon vor einer ganzen Weile gesehen und nicht  gewusst, wie ich eine Rezension dazu anfangen soll. In den Medien wird ¡No! als witzig, gruselig und realsatirisch bezeichnet. Fast ausschließlich positive Kritiken gipfeln in einer Oscar-Nominierung für den besten fremdsprachigen Film 2013. Mein Eindruck dagegen war zwiegespalten und ich habe lange gebraucht, um zu erkennen, warum. Zum Einen war ich begeistert, weil ich dergleichen bisher noch nicht oder zumindest nicht so gut umgesetzt gesehen habe. Zum Anderen war ich schockiert. Doch warum schockiert? Dazu muss man zunächst wissen, wovon dieser Film handelt.

Die Geschichte

Larraín erzählt aus Sicht eines Marketingteames wie die Diktatur von Augusto Pinochet in Chile gestürzt wurde. Vor dem Referendum von 1988, das 1980 angesetzt wurde, um die Diktatur Pinochets für weitere acht Jahre zu bestätigen, wurde den Gegnern der Diktatur täglich eine 15-minütige Sendezeit im Fernsehen eingeräumt, um ihre Meinung kundzutun. Das Marketingteam nutzte diese Chance, um die Bevölkerung auf Unstimmigkeiten aufmerksam zu machen und durch reine Werbung für ein Ende der Diktatur zu kämpfen.

René Saveedra wird als Berater ins Team geholt und versucht mit einfachen Tricks aus der Werbung zu arbeiten. Dabei begegnet er nicht nur Drohungen und Angriffen von Anhängern Pinochets, sondern auch Widerstand in seinen eigenen Reihen. Dennoch scheint sein Slogan „Chile, die Freude erwartet uns!“ in Erfüllung zu gehen, als die Opposition die Wahl mit 56 Prozent der abgegebenen Stimmen gewinnt.

Das Besondere am Film

Zunächst ist das Material auffällig, das mit einer schlechten Kamera aufgenommen worden zu sein scheint. Tatsächlich wurden für die Dreharbeiten UMATIC-Kameras aus den 1980er-Jahren verwendet, um ein möglichst realistisches Bild zu erhalten. Dies hatte zudem den Effekt, dass die originalen Werbeaufnahmen aus dieser Zeit, die in den Film mitintegriert wurden (fast 30 Prozent Archivmaterial!) nicht weiter als störend empfunden wurden. Um zu überzeugen, sollte zudem das ganze Setting in den Look der 80er versetzt werden. Doch nicht nur das: Auch Cameo-Auftritte gab es jede Menge! Patricio Aylwin, der erste demokratisch gewählte Präsident nach Pinochet, oder der TV-Sprecher der No!-Kampagne haben kurze Auftritte im Film. Durch sie wird das damals Gedachte und Gesagte noch einmal lebendig. Der Protagonist René steht stellvertretend für das 35-köpfige Marketingteam von damals.

Die Umsetzung des Filmes ist so konsequent durchgezogen und derart realitätsnah gehalten, dass einem beim Schauen schlichtweg der Atem wegbleibt. ¡No! ist ein Film der Extraklasse, den man sich einfach anschauen sollte! Die originalen Bilder aus der Zeit haben mir die Sprache geraubt und mich schlichtweg schockiert, während ich völlig fasziniert war davon, wie friedlich dieser Umsturz doch vonstatten gegangen ist. Natürlich gab es Drohungen, natürlich gab es Übergriffe. Aber mal ehrlich: Das hat nichts mit den Umstürzen gemein, die wir andernorts erleben oder erlebt haben.

Ich erinnere mich an keinen Fall, wo ein Diktator wirklich in einem demokratischen Prozess, durch eine Wahl gestürzt wurde. Normalerweise enden solche Konflikte in einem Blutbad. (Pablo Larraín)

Da dieser Film mir derart imponiert hat, kann ich nicht anders, als ihn weiterzuempfehlen. Ich kenne nicht die anderen Filme von Larraín, die ebenfalls gut sein sollen, aber mit diesem Einstieg hat er sicherlich seine Spuren bei mir hinterlassen und ich werde mir noch mehr von ihm anschauen. Wenn ihr euch auch nur ansatzweise für Filme zu politischen Themen oder der Geschichte Südamerikas interessiert, dann schaut diesen Film!

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