Lateinamerika – etwas mehr als ein Kontinent

Nun habe ich es so lange angekündigt, da wird es auch Zeit, über Lateinamerika zu schreiben. Doch wie fängt man so einen Text an? Ich habe mir viele Gedanken dazu gemacht und musste feststellen, dass ich eigentlich keine Idee habe. Deshalb hat es wohl auch wieder eine so lange Leerphase gegeben. Das Problem ist, dass wir eigentlich sehr wenig über diesen Kontinent wissen. Viele wissen beispielsweise gar nicht, dass der Kontinent, von dem wir reden, eigentlich Südamerika genannt wird, während Lateinamerika P1010230auch Mexiko und die vielen karibischen Inseln einschließt. Die Bezeichnung „Latein-“ führt darauf zurück, dass all diese Länder spanisch oder portugiesisch sprechen, also zum romanischen Sprachraum zählen und damit von der lateinischen Sprache abstammen.

Was wissen wir dann eigentlich über Lateinamerika? Für viele Deutsche sind diese Länder der Inbegriff von Mafia und Drogenkartellen, von den Orten, an denen die Menschen arm sind und die Kriminalitätsrate äußerst hoch. Die Versorgung ist schlecht und die Krankenhäuser will man lieber nicht betreten. Es sind die Orte, in die Nazis nach dem Zweiten Weltkrieg geflohen sind. Aber es ist auch der Ursprung von Samba und Salsa, von Tango und Mambo, vom Karneval in Rio, Tequila und Mate, von Freude und Lebenslust. Es ist heiß dort und schmutzig, es gibt exotische Tiere und Pflanzen. Und natürlich gibt es da – oder gab es? – eine indigene Bevölkerung. Machu Pichu und so. Dem ein oder anderen fällt dann noch ein, dass alles ehemalige europäische Kolonien waren. Aber dann hört es bei vielen auch schon wieder auf mit dem Wissen.

Mir ging das lange nicht anders und auch heute bin ich weit davon entfernt, viel über diesen Kontinent zu wissen. Einiges jedoch habe ich auf der ein oder anderen Reise durchaus dazu gelernt und davon will ich euch erzählen. Schwerpunkte liegen auf Literatur und Film: Ich möchte euch ein paar ausgewählte Werke vorstellen, die unterschiedliche Themen ansprechen. Außerdem habe ich noch ein paar meiner Impressionen aus Argentinien ausgegraben, ein paar Rezepte für euch und die eine oder andere musikalische Empfehlung. Aber erst mal ein paar Basics:

Die erste Besiedelung des Kontinents liegt mindestens 14.000 Jahre zurück. Bis heute ist nicht eindeutig geklärt, woher die Menschen damals kamen. Fest steht, dass die unterschiedlichen Kulturen sehr schnell weit entwickelt waren und Bewässerungsanlagen und Städte bis zu 3000 Einwohnern geführt haben. Ab dem ersten Jahrhundert entwickelte sich die Mochica-Kultur, die für ihr Kunsthandwerk bekannt ist, wurde jedoch von dem Chimus abgelöst, die mehr auf Massenproduktion setzten. P1020152Von 1438 bis 1532, also nicht einmal hundert Jahren, beherrschten die Inkas einen Großteil des Kontinents. Sie wurden abgelöst durch die Europäer, die ihre Krankheiten mit über den Atlantik brachten und mit diesen, Waffengewalt und schierem Unwillen zur „Integration“ einen Großteil der indigenen Bevölkerung ausrotteten. Von da an beginnt die Geschichte der Staaten, wie wir sie heute kennen. Zunächst noch unter spanischer und portugiesischer Herrschaft, gab es mehrere Vizekönigreiche. Erst im 19. Jahrhundert erklärten die Länder nach und nach ihre Unabhängigkeit von den europäischen Eroberern. Bis dahin hatten sie jedoch bereits Religion und Kultur weitgehend übernommen. Davon galt es sich nun zu lösen und nach einer eigenen Identität zu suchen. In der Literatur entwickelte sich beispielsweise der Magische Realismus, einer Verbindung aus realistischen Beschreibungen mit indigenem Glaube.

Die Rassentrennung war auch hier sehr aktiv; es wurde unterschieden zwischen Europäern, Indigos und Amerikanern. Letztere waren solche, deren Blut gemischt war und die als Abstammende von Europäern auf dem amerikanischen Kontinent geboren worden waren. Diese Unterscheidung gibt es bis heute noch in der ein oder anderen Region, auch wenn die Konsequenzen daraus (weniger Rechte, weniger Respekt) nicht mehr gezogen werden. Was die Religion betrifft, so herrscht größtenteils der Katholizismus, wird allerdings meiner Erfahrung nach nicht ganz so streng gesehen wie in Europa. Vielmehr hat er sich stellenweise vermischt mit regionalem Glaube. Hinzu kommen Ikonen wie in Argentinien beispielsweise Che Guevara, Maradonna oder Evita, die das Volk so sehr beeinflusst haben, dass sie auch nach ihrem Tod (Maradonna ist die einzige lebende Ikone Argentiniens) noch immer sehr präsent sind. Die Südamerikaner mussten sich ihre Demokratie schwer erkämpfen, in fast allen Ländern gab es zeitweise Diktaturen mit schweren Repressionen für die Bevölkerung. Doch die meisten Länder haben es inzwischen geschafft und sind stolz auf das Erreichte. Klar, es lässt sich über Abhängigkeiten zur Wirtschaft oder zu anderen Staaten streiten, aber rein rechtlich ist die häufigste Form der Verfassung eine repräsentative Demokratie.P1020097

So viel also zu dem recht oberflächlichen Überblick über Südamerika. Wie ihr vielleicht bemerkt habt, habe ich damit aber einen Teil der lateinamerikanischen Staaten außen vor gelassen, wenn ich nur von Südamerika spreche. So grob, wie dieser Überblick gehalten ist, kann er wohl auch für ganz Lateinamerika stehen. Ich bitte jedoch zu Bedenken, dass die einzelnen Staaten unterschiedliche Geschichten haben und das hinter jedem Krumen an Informationen noch eine ganze Welt weiterer wichtiger Details verborgen liegt. Mehr über diesen Kontinent und das, was wir ihm zu verdanken haben, gibts dann in weiteren Beiträgen.

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