Das Geschenk Tales for Oscar

Ich habe dieses Jahr einen Bildband zum Geburtstag geschenkt bekommen und er hat mich absolut begeistert. Da ich euch in meinem vorletzten Beitrag versprochen habe, ein paar Worte über Geschenke zu verlieren, will ich deshalb zunächst erklären, warum mich ein scheinbar schlichter Bildband so begeistern konnte. Der Band heißt Tales for Oscar und stammt von Kristian Schuller.

Er ist der Geschichtenerzähler unter den Fotografen

Da ist er, dieser Mann, der mit ein paar Fetzen Stoff Geschichten erzählen kann. Manche machen es mir Worten, andere mit Bildern, er schafft es mit Kleidern. Kristian Schuller heißt dieser er und er ist Fotograf. Und hat mich in den letzten Jahren immer wieder begeistert mit seinen Bildern. Doch wie soll ich euch erklären, was das Besondere an seinen Fotografien ist?

Der rumänische Geschichtenerzähler

Kristian Schuller ist Modefotograf. Er wurde in Rumänien geboren, ist in Deutschland aufgewachsen, hat in Berlin studiert, acht Jahre in Paris gearbeitet und lebt heute in New York. Verheiratet ist er mit Peggy Schuller, einer Stylistin, die öfters mit ihm zusammenarbeitet und aufwendige, verrückte Kleider für seine Bilder entwirft. Für Schuller ist die Fotografie ein Erzählmittel: Er möchte Momente festhalten, die auf Vorher und Nachher verweisen, die eine Geschichte vermitteln. Geprägt wurde er vor allem durch seine Erfahrungen während der DDR-Zeit. Alles war grau und eintönig, geradezu langweilig. Da fehlte es an Farbe. Und genau die sucht er jetzt in seinen Arbeiten. Gleichzeitig soll es real sein. Ungern steht er im Studio und arbeitet mit künstlichem Licht. Viel lieber zieht er hinaus in die Welt, nutzt das Sonnenlicht und seine Umgebung, für die ausgefallensten Aufnahmen. So reiste er nach Afrika, um aufwendige Aufnahmen mit Geparden zu machen. Er hielt das Stadtleben in New York samt seiner Schnelllebigkeit fest. Er inszenierte unter der kalifornischen Sonne ein Geisterschiff, das mitten in der Wüste mit einem heftigen Sturm zu kämpfen hat. Schuller ist nichts zu wild und nichts zu aufwendig.

Hinweis: Aus rechtlichen Gründen kann ich hier keine Fotos von Kristian Schuller veröffentlichen, wer aber gerne mehr über seine Fotografie erfahren möchte, kann auf Schullers Homepage Bilder betrachten und einen Einblick bekommen!

 

Zum Teufel mit der Mode!

Mode ist für mich der Inbegriff der Inszenierung. Da will sich jemand in Szene setzen und gibt sich deshalb äußerste Mühe, passend gekleidet zu sein. Das habe ich nie so richtig nachvollziehen können. Für mich ist der Weg zum Kleiderschrank etwas Obligatorisches, um nicht nackt herumzulaufen. Ich habe damit keine Inszenierung im Sinn. Seit ich allerdings Schullers Bilder kenne, sehe ich Kleidung mit anderen Augen – und mit ihr auch die Fotografie.
Gemäß der alten Weisheit „Kleider machen Leute“ schafft Schuller, unterstützt durch seine Frau Peggy, Märchenlandschaften mit Charakteren, die mal wild und gefährlich anmuten, mal betörend schön und geheimnisvoll daherkommen. Es ist schon faszinierend, wie ein bisschen Stoff so viele Geschichten zum Schwingen bringen kann. Man möchte sich geradezu in seinen Bildern verlieren und eintauchen in diese fremden Welten! Natürlich ist das alles Inszenierung. Doch, wer sich seine Bilder anschaut, vergisst das allzu schnell und glaubt sich einfach in einer fremden Welt zu verlieren. Jedes Detail arbeitet er liebevoll aus und lässt keinen Zweifel an seiner Arbeit, alles wirkt überzeugend real. Er schafft eine Inszenierung, die wir nicht mehr als solche wahrnehmen können.

Und dann kam Oskar…

Einige seiner Fotografien hat Schuller bereits in insgesamt zwei Bildbänden veröffentlicht: Der erste, 90 Days One Dream, zeigt Aufnahmen der Mädchen von Germanys Next Topmodel 2010. Er ist etwas einseitig gestaltet, da sich die Ideen öfters wiederholen, und daher eher für Fans der Fernsehshow geeignet. Der zweite, Tales for Oskar, beinhaltet daneben auch Arbeiten von Schuller außerhalb der Welt von GNTM. Das Buch ist 2014 erschienen und Schullers Sohn Oskar gewidmet. Tales for Oskar hat nun einen Platz in meinem Bücherregal gefunden und immer wieder schaue ich mir gerne die Bilder darin an, lasse mich davontragen in andere Welten und verliere mich in den Stofffalten einzelner Kleider. Hauptsächlich finden sich in diesem Band Frauen: Prinzessinnen, Kriegerinnen, Amazonen, Cowgirls, Piratenbräute. Alles ist dabei, was der Fantasie Aufschwung bringen kann.

Warum mich dieser Band so begeistern konnte?

Schenken ist eine Kunst und nur die wenigsten beherrschen sie. Es geht darum, eine Freude zu bereiten, klar. Darum in erster Linie. Es geht um Güte und den guten Willen. Aber ein Geschenk ist nicht gleich ein tolles Geschenk. Toll ist es dann, wenn das Geschenk die Person auch erreicht, sie wirklich berührt. Und dazu muss man wissen, wer diese Person eigentlich ist. In meinem Fall wurde das geschafft, indem meine Vorlieben für Fotografie, für das Fantastische und das Geschichtenerzählen erkannt wurden. Und während ich nun schon wieder durch diesen wunderschönen Bildband blättere kommt mir erneut der Gedanke, das ich meiner Schenkerin eigentlich gar nicht genug danken kann. Trotzdem nochmal an dieser Stelle ein riesengroßes Dankeschön!
Es gibt nicht das eine, das einzig richtige Geschenk. Aber es gibt Geschenke, die einen einfach berühren, und Tales for Oscar hat mich berührt!

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4 Kommentare zu „Das Geschenk Tales for Oscar“

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