Die Brüder – Jan Guillou

Ich habe euch schon von dem ersten Band der Trilogie von Jan Guillou in einem ausführlichen Artikel zu Die Brückenbauer erzählt. Den zweiten Teil habe ich mir nun auch vorgenommen und war nicht ganz so begeistert. Warum?

Der zweite Teil der Trilogie über die Brückenbauer

Wie auch im ersten Teil beginnt das Buch Die Brüder mit einer sehr erklärenden die brüderBeschreibung der bisherigen Geschehnisse. Der Vater der drei Brüder Sverre, Laurit und Oskar ist bei einem Sturm ums Leben gekommen und die drei Jungen erhalten von da an Unterstützung der Wohltätigkeitsloge „Die gute Absicht“ und können sich so ein Ingenieursstipendium in Dresden leisten. Danach trennen sich allerdings ihre Wege. Oskar geht nach Afrika und arbeitet in den Kolonien, Lauritz arbeitet wie versprochen für die Wohltätigkeitsloge an dem Eisenbahnprojekt der Hardangervidda in Norwegen und Sverre verschlägt es zu seinem Geliebten Albie nach England. Das darauffolgende Leben von Oskar und Lauritz wurde im ersten Band beschrieben, Sverres Erlebnissen wurde im zweiten Band Platz eingeräumt.

Der großspurige Klappentext lässt Erwartungen über große Ereignisse wachsen. Ein bisschen habe ich gehofft, mehr über die sozialen Umbrüche in England Anfang des 20. Jahrhunderts zu erfahren. Tatsächlich stand auch einiges da über die Veränderungen von dem Frankreich hassenden Land bis hin zu dessen Verbündetem. Die Handlung dauert vom Ende des 19. Jahrhunderts bis zum Ende des Ersten Weltkrieges an. Raum genug gibt es also. Tatsächlich aber sind Albie und Sverre derart mit sich selbst beschäftigt, dass ich letzten Endes einsehen musste, dass hier weder viel zum Stadtleben geschrieben wird noch zu den großen Erfindungen dieser Zeit. Wenn überhaupt wurden immer wieder Namen großer Künstler und Schriftsteller genannt. Wer sich in diesem Bereich auskennt, wird einige Beschreibungen von Bildern wiedererkennen. Damit hat sich dann aber leider auch der gesamte Spaß an dem Buch.

Der Protagonist Sverre

Sverre ist schwul, kommt aber eigentlich nur völlig uninteressant und langweilig rüber. Er soll ein unglaublich talentierter Künstler sein, traut sich aber nicht mit seinen Werken an die Öffentlichkeit. Bei den Diskussionen, die Albie mit dem gemeinsamen Freundeskreis führt, distanziert er sich immer und weiß nichts zu sagen. Er ist nicht abenteuerlustig und anscheinend auch nicht sonderlich ehrgeizig. Spannend ist lediglich sein Verhältnis zu Albies Schwester, das aber auch viel zu kurz gerät, um für Abwechslung zu sorgen.

Bei der Handlung beschlich mich immer wieder das Gefühl, dass Guillou seinen Charakter unbedingt immer wieder in die Nähe seiner Brüder treiben wollte. Ein bisschen gerät man da schon in Verzweiflung, wenn man weiß, dass nur so wenig fehlt, damit sich die jungen Männer wiedersehen. Am Ende ist all das aber auch nur eine Spielerei des Autors, anders wäre es nämlich auch gegangen.

Guillous deskriptiver Schreibstil

Der Stil ist durchgehend deskriptiv, Guillou beschreibt also mehr, was passiert, als dass er einfach mal etwas passieren lässt. Insgesamt hatte ich sehr das Gefühl eine Chronik zu lesen, was durchaus zu einem Familiendrama passen kann, aber insgesamt für mich eher zu langweilig wurde. Es macht einfach keinen Spaß, wenn man dasitzt und nur verzweifelt ausrufen will: „Lass doch die Charaktere sprechen, anstatt zu erzählen, was sie miteinander diskutieren!“ Ist Guillou die wörtliche Rede einfach fremd? Ich weiß es nicht. Vielleicht war ihm die eigene Thematik auch einfach zu kompliziert, denn selbst wenn er geschrieben hat, worüber diskutiert wurde, so endete es meistens mit der Themennennung und einer kurzen Vorstellung der Charaktere, die besonders aktiv diskutierten. Was sie aber an Argumenten hervorbrachten, blieb im Dunkeln.

Mein Fazit

Ich bereue keineswegs das Buch gelesen zu haben. Zeitverschwendung war es nicht, dafür hätte es schon schlechter sein müssen. Allerdings kann man den zweiten Band der Trilogie auch gut und gerne überspringen, denn Sverre ist der uninteressanteste der Brüder. Kunst und Literatur sind spannende Themen, aber man muss sie auch richtig ausarbeiten und das ist dem Autor hier eindeutig nicht gelungen. Nicht mal ansatzweise konnte ich eine solche Faszination verspüren, wie er sie in Bezug auf das Ingenieurswesen wecken konnte. Und dabei mag ich doch Kunst und Literatur! Nein, herausstechen kann das Buch wahrlich nicht und oberflächlich ist es zudem auch. Seinen glorreichen Anfang konnte Guillou eindeutig nicht fotsetzen.

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