Nimmermehr – Sophie Hannah

Es ist der vierte Roman von Sophie Hannah. Die englischNimmermehre Autorin wird bereits als herausragende Thrillerautorin gefeiert – trotzdem habe ich, bis ich Nimmermehr geschenkt bekommen habe, noch nie von ihr gehört.

Sally ist Mutter zweier Kinder. Ihr Mann Nick ist ein hoffnungsloser Chaot, den sie im Grunde als drittes Kind im Haus zählen kann. Viel Unterstützung erhält sie von ihm nicht. Nach einem Streit mit dem Kindermädchen Pam wird Sally vor einen Bus gestoßen. Zunächst schiebt sie die Schuld auf die wütende Pam, doch bald schon stellt sich heraus, dass noch mehr dahinter stecken muss. In Sallys Nachbarschaft wurden die Mutter Geraldine und ihre Tochter Lucy tot aufgefunden und der Mann Mark Bretherick gibt sich als trauernder Familienvater. Doch Sally hat Bretherick auf einem Wellnessurlaub kennengelernt – und erkennt einen Schwindel. Sie weiß nur nicht, wer nun der echte Bretherick ist: Der trauernde Mann im Fernsehen, oder derjenige, der sich ihr vor über einem Jahr als Mark Bretherick vorgestellt hat? Und warum hat jemand Sally vor einen Bus gestoßen?

Auf dem Buchcover wird groß damit geworben, dass es sich um einen Psychothriller handele. Nach den ersten hundert Seiten war ich allerdings immer noch nicht davon überzeugt. Zwar konnte ich das Buch nur mit Mühe weglegen und hätte am liebsten alles in einem Rutsch gelesen, aber so wirklich Psychothriller war es dann doch nicht. Mir ging zwar unter die Haut, wie die Frauen über Kindererziehung gedacht haben und welche Schwierigkeiten sie damit hatten, aber von einem Thriller erwarte ich einfach mehr. Deshalb würde ich Nimmermehr auch eher in die Kategorie Krimi einordnen, wohl bewusst, dass es da durchaus ein paar Unterschiede gibt. Aber so ein Zwischending lässt sich eben auch schwer in Genreschubladen schieben.

Nimmermehr konnte mich eigentlich erst auf den letzten fünfzig Seiten begeistern. Vorher war es zwar spannend zu lesen, aber irgendwie nichts herausragendes. Als ich armer Leser dann aber plötzlich von einer Theorie zur nächsten springen musste, bis mir auch diese wieder ausgeredet wurde, hat mich das Buch gepackt. Erst scheint alles klar zu sein, die Lösung für  den Fall liegt auf der Hand – aber dann kommt alles ganz anders. Nun lässt sich streiten, ob das an den wilden Fantasien einer Autorin liegt, die sich mit ihren Ergüssen einfach nicht ganz zufrieden geben wollte. Kann schon sein, denke ich, denn wirklich ausgereift und groß erklärt wurden ihre Ideen nicht. Andererseits waren sie plausibel und ganz nach dem Motto: „Der Schein trügt.“

Was mich aber wirklich gestört hat, war der verdammte Anzug Brethericks, der aus dem Haus der Familie entwendet wurde und schließlich beim Täter wieder auftauchte. Mal ehrlich: Welcher Täter ist denn so verdammt blöd und behält die Beweisstücke bei sich im Haus? Und lässt sie dann noch so offen herumliegen, dass jeder Depp, dem man nur mal eben die Tür öffnet, das Beweisstück sieht? Und wie kann es eigentlich sein, dass ein Anzug in einer Wohnung eines einsamen Professors hängt und gleichzeitig auf dem Boden in dem Haus des Täters? Und was für ein Haus ist das eigentlich, wenn das Entführungsopfer ebenfalls dort untergebracht ist, die Klingel aber nicht hören kann, alles andere im Haus aber schon?

Mein Fazit ist letzten Endes: Wem die Logikfehler nicht auffallen – und man muss schon gezielt danach suchen -, der wird an Nimmermehr sicherlich einen guten Krimi zur Abendunterhaltung finden. Mehr aber leider auch nicht.

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