Die Entdeckung der Unendlichkeit (Film)

Stephen Hawking gilt als genialer Physiker. Mit Die Entdeckung der Unendlichkeit wurde ihm ein filmisches Denkmal gesetzt. Das Werk stützt sich auf die Memoiren Die Liebe hat elf Dimensionen: Mein Leben mit Stephen Hawking von Jane Hawking.

Stephen ist in Cambridge gerade dabei, seinen Doktortitel zu erlangen, als er von seiner Krankheit, Amyotropher Lateralsklerose (ALS) erfährt: Nach und nach bilden sich die Nerven zurück, die für seine Muskeln zuständig sind, bis er sich nicht mehr selbstständig bewegen kann. Ihm werden noch maximal zwei Lebensjahre prophezeit.  Jane, mit der er gerade eine glückliche Beziehung begonnen hat, erhält den Rat, sich von ihm zu distanzieren. Doch die junge Frau entscheidet sich dafür, sich um Stephen zu kümmern und kämpft für jeden Tag, den sie gemeinsam mit ihm verbringen kann. Gemeinsam schaffen sie es weit über die zwei prophezeiten Jahre hinaus und zu drei glücklichen Kindern.
Die Entdeckung der Unendlichkeit ist kein Drama über das traurige Leben eines Menschen, es ist keine Ausbeutung eines Menschenschicksals, das für viel Gesprächsstoff und eine gute Geschichte für einen Film dient. Vielmehr ist dieser Film der Versuch, eine – wenn auch sehr lückenhafte – Biographie über eine Beziehung zwischen zwei Menschen aufzuzeichnen. Jane Hawking steht dabei genauso im Mittelpunkt wie ihr Mann Stephen.
Neben all den großen Filmen wie Birdman, Interstellar oder Grand Budapest Hotel wirkt Die Entdeckung der Unendlichkeit unscheinbar. Keine großen Experimente mit der Kamera, keine herausragenden Leistungen in der Regie können diesen Film hervorheben. Letzten Endes ist es eben ein Liebesfilm und kein großes Epos über eine andere Welt oder eine Entdeckung, die möglicherweise die Menschheit rettete. Das alles schadet dem Film aber keineswegs. So unscheinbar er auch sein mag, so geht er doch mit seiner Ehrlichkeit unter die Haut. Eddie Redmayne verkörpert einen Menschen, dem durch seine Krankheit alles genommen wird, so gut, dass man als Zuschauer nicht anders kann, als mitzuempfinden. Gleichzeitig wird jedoch nicht die Mitleidskarte ausgespielt, sondern gezeigt, dass auch ein Mensch, der alles verloren hat, nicht aufgeben muss.
Einziges Manko für mich war, dass Stephens theoretische Erkenntnisse in der Physik etwas im Film untergegangen sind. Zwar kamen durch die Gespräche mit Jane oder Freunden der Familie ein paar der Grundsätze rüber, es hätte meiner Meinung nach aber nicht geschadet, noch mehr davon zu bringen. Schließlich ist Hawking nicht nur der Mann, dem durch ALS alles genommen wurde, sondern auch ein Physiker, der große Ideen hat. Wer daran aber gar kein Interesse hat, sondern lieber einen Film zur abendlichen Unterhaltung sucht, der das Herz bewegt, dem sei Die Entdeckung der Unendlichkeit durchaus empfohlen.

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