22. Dezember

„Wenn ich es Ihnen doch sage, ich kenne den Mann nicht. Und ich weiß nicht, was er bei uns gesucht hat. Wir haben kein Geld. Schauen Sie sich das Haus doch an. Nur ein Idiot kommt auf den Gedanken, dass es sich lohnt bei uns einzubrechen.“ Genervt fährt sich Markus mit der Hand durch die Haare. Nichts würde er lieber tun, als sich einfach ins sein Bett zu legen und zu schlafen. Wenn er am nächsten Morgen aufwacht, stellt sich alles vielleicht als ein böser Traum heraus.

Alina legt beruhigend eine Hand auf den Arm ihres Mannes. Mit sanften Fingern streicht sie ihm über den Verband an seiner linken Hand. Kurz durchzuckt Markus noch einmal der Schmerz und er weiß, dass es kein Traum ist. Alles ist viel zu wirklich.

„Schildern Sie doch bitte den Tathergang“, sagt der Polizist gelangweilt und vermutlich ebenso müde wie Markus selbst.

Dass der nicht selbst ins Bett will, denkt Markus missmutig, „Der Mann ist direkt auf mich losgerannt. Ich bin erschrocken ausgewichen und habe mich an die Wand gepresst. Irgendwie ist der Mann dann gestolpert und auf die Treppenstufen geflogen. Da hat er sich vermutlich die Platzwunde an der Stirn zugezogen. Es ging so schnell, ich weiß es wirklich nicht.“

„Sie können mir nicht sagen, ob der Mann da schon an der Stirn geblutet hat?“, fragt der Beate ungläubig. Markus schüttelt den Kopf.

„Ich habe das Licht angeschaltet und mich dadurch dummerweise selbst geblendet. Der Kerl ist also losgerannt und genau auf das Wohnzimmer zu, in dem sich meine Frau aufhielt.“ Er blickt zur Seite und schaut Alina mit einem liebevollen Lächeln an. „Ich hatte Angst um sie. Der Ball meines Sohnes lag noch im Flur herum, also habe ich einfach geschossen und gebetet, dass ich den Mann treffen würde. Was ich ja dann auch habe.“

„Was ist dann passiert?“

Alina schnauft wütend und lässt Markus keine Zeit für eine Antwort. „Das haben Sie doch selbst gesehen. Er ist hingefallen, mit dem Kopf direkt in die Glasplatte unseres Fernsehtisches. Wir haben sofort einen Notruf abgesetzt und mein Mann hat versucht, ihm zu helfen. Dabei hat er sich an den ganzen Glasscherben verletzt.“

Der Beamte nickt und kritzelt auf seinem Block herum, wie er es schon seit ein paar Minuten tut. „Vielen Dank. Bitte halten Sie sich zur Verfügung für weitere Fragen.“

Alina verdreht die Augen, als sich der Mann abwendet, und lässt sich müde auf einen der Wartesitze im Krankenhaus fallen. „Zum Glück waren Karla und Benni heute nicht zuhause. Wie geht es deiner Hand?“

„Geht schon“, murmelt Markus, aber er ist kreidebleich. Allmählich wird ihm klar, was da in der Nacht passiert ist. „Komm, lass uns nach Hause fahren.“

Alina nickt und richtet sich auf, lehnt sich an die Brust ihres Mannes, als sie schlurfende Schritte im Flur hören. Sonst sind nur Krankenschwestern unterwegs, deren Schritte so gedämpft und leichtfüßig sind, dass man sie kaum hört. Aufgeregt fragt jemand nach seinem Sohn. Alina und Markus schauen sich nicht einmal nach den Stimmen um. Erst als sie ein erstauntes „Papa?“ hören, drehen sie sich um. Benni und Karla schauen sie erschrocken an.

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