19. Dezember

Peter ist zur Hälfte mit dem Abtippen der Texte durch. Müde reibt er sich die Augen und greift nach der Kaffeetasse. Das schwarze Getränk ist allerdings schon kalt und so verzieht er angewidert das Gesicht. Unerwartet klingelt es an der Tür.

„Ach, Peter, das ist bestimmt der Junge. Gehst du bitte mal aufmachen?“, ruft Klaus vom Wohnzimmer nebenan.

Seufzend richtet sich Peter auf und geht zur Tür. Der kleine Junge, der ihm  vor einer Woche zugerufen hat, er solle endlich zu Herrn Hermann in die Wohnung, steht mit großen Augen im Flur. Neben ihm steht ein Mädchen, etwas größer als er und mit rundem Gesicht und blondem Lockenkopf.

„Kommt herein“, sagt Peter und weist ins Wohnzimmer. Den beiden ist anzusehen, dass sie sich nicht ganz wohl fühlen, ihn hier zu sehen. Vermutlich hatten sie gedacht, der Alte sei alleine zuhause. „Jemand Tee?“, fragt er deshalb, um sich möglichst schnell in die Küche verziehen zu können. Klaus nickt und begrüßt fröhlich die beiden Kinder.

„Nun, wie ich sehe, hast du mir gleich eine weitere Leserin beschert.“

Die beiden nicken gerade, als Peter wieder ins Wohnzimmer kommt und ein Tablett mit vier Tassen und einer Kanne Tee auf den Tisch stellt.

„Wir hätten da ein paar Fragen“, beginnt der Junge etwas schüchtern. Das Mädchen bestätigt diese Aussage mit einem weiteren Nicken. „Hauptsächlich wüssten wir gerne, wie Sie auf Ihre Ideen kommen“, sagt sie leise.

Klaus nickt mit einem Lächeln. „Das ist eine interessante Frage. Leider sind die Quellen meiner Inspiration unergründlich. Wenn ich euch in dieses Labyrinth führen würde, würdet ihr am Ende vielleicht nicht mehr herausfinden.“

Peter sieht, wie das Mädchen seine Stirn in Falten legt und skeptisch zu dem Alten schaut, während der Junge noch zu verstehen versucht. Er selbst wundert sich ein wenig über die rätselhafte Antwort. „Sie können Ihre Inspirationsquellen nicht nennen?“

„Ah, ich könnte schon. Allerdings könnte ich mich dann gleich selbst verhaften.“

Geschockt schauen die beiden Kinder einander an. „Soll das etwa heißen…?“

Peter schüttelt den Kopf. „Das ist doch sicher ein Scherz?“ Unsicher schaut er zu dem alten Mann. Klaus lacht laut auf, als hätte ihm jemand einen wunderbaren Witz erzählt. Bevor er antworten kann, wird ihr Gespräch jedoch vom Klingeln des Telefons unterbrochen.

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