18. Dezember

Ich habe seit zwei Tagen nicht mehr mit Klara gesprochen. Selbst Markus oder meine Mutter habe ich ignoriert, wenn sie mich angesprochen haben. Immer wieder haben sie auf mich eingeredet, aber am Ende haben sie immer nachgegeben. „Dabei ist doch bald Weihnachten!“, ruft meine Mutter ein ums andere Mal aus, wenn sie wieder keine Antwort von mir bekommen hat.

Ich habe allmählich das Gefühl, dass Klara mir sogar aus dem Weg geht. Ich bin noch immer wütend auf sie. Dabei ist selbst mir klar, dass ihr kaum eine andere Wahl blieb, als mit der Wahrheit herauszurücken. Trotzdem fühle ich mich verraten. Außerdem hatte ich Herrn Hermann versprochen, heute wieder bei ihm vorbeizuschauen. Was er wohl sagen wird, wenn ich nicht auftauche? Missmutig stapfe ich durch den Matsch, der sich in den letzten Tagen angesammelt hat. Ein einziges Mal hat es geschneit und jetzt liegt schon seit Tagen überall nur Matsch herum. Kein Schlittenfahren, kein Schneemannbauen, keine Schneeballschlachten. Blödes Wetter!

„He, Benni, warte doch mal!“

Überrascht drehe ich mich um und stelle erstaunt fest, dass Klara auf mich zu gerannt kommt.

„Was willst du?“, frage ich mürrisch.

„Gehst du zu dem Alten? Lass mich mitkommen. Bitte!“

„Bist du blöd? Meinst du, ich tauche dort ohne das Manuskript auf?“ Ich frage mich, ob Klara wirklich älter ist als ich. Vielleicht sind Mädchen aber auch einfach blöd.

Klara grinst. „Ach, du meinst das hier?“, fragt sie und hält mir ihren offenen Schulranzen hin. Ich sehe, dass darin der Stapel Papiere liegt, den wir gemeinsam durchgelesen haben.

„Wo hast du das her?“, frage ich erstaunt.

„Aus Papas Arbeitszimmer“, erklärt sie achselzuckend. „Ich war dir etwas schuldig. Und das Manuskript lag dort einfach so herum. Ach und ich habe Papa übrigens erzählt, dass wir heute in der Schule übernachten. Dort ist doch das Weihnachtsgeschichtenlesen mit Übernachtung.“

Ich kann mir ein Grinsen nicht mehr verkneifen. „Na dann los!“

Klara nickt, dann aber hält sie mich an der Schulter fest. „Aber du, Benni? Lass uns nachfragen, wie der alte Mann auf seine Ideen kommt. Mir ist das schon ein bisschen unheimlich.“

Ich schlucke. Mir ist der Gedanke auch schon durch den Kopf gespukt. Zum Glück sind wir dieses Mal zu zweit. „Abgemacht.“

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