13. Dezember

Verärgert lässt er den Hörer auf das altmodische Telefon fallen und starrt die Wahlscheibe an. In seinem Kopf lässt er das Gespräch noch einmal Revue passieren und wird bei jedem seiner unsicheren Antworten ein bisschen wütender auf sich selbst.
„Was soll das heißen, dass du kündigst?“
„Chef, ich kann das einfach nicht länger mitmachen. Ich habe einen neuen Job.“
„Einen neuen Job? Was soll das für ein Job sein? Für wen arbeitest du jetzt?“
„Für Ihren Vater.“
„Meinen WAS?“
„Ihren Vater. Sie wissen schon: der Mann, der –“
„ICH WEIß WER MEIN VATER IST!“
„OK.“
„Was für eine Arbeit erledigst du für ihn? Und was ist mit dem Manuskript? Ich will das verdammte Manuskript.“
„Ich…also ich….Ich soll es für ihn Korrektur lesen.“
„WAS? Mach keine Witze! Schnapp dir das Teil und bring es sofort her!“
„Nein. Nein, das geht nicht.“
„Wieso geht das nicht?“
„Weil….weil es das Haus nicht verlassen darf!“
Daraufhin hat er den Hörer zunächst weit weg von seinem Ohr halten müssen und kein Wort von dem verstanden, was sein Chef gebrüllt hatte. Es hat jedoch nicht sonderlich aufbauend geklungen. Klaus war gerade in diesem Moment in sein Wohnzimmer getreten, zwei dampfende Tassen Tee auf einem Tablett tragend, und hat ihn mit mitleidigen Augen angeschaut.
„Hier, nimm mal“, befiehlt er und drückt Peter das Tablett an die Brust. Kaum greift dieser danach, schnappt sich der Alte den Telefonhörer und brüllt noch lauter als sein Sohn zurück: „HALT DIE SCHNAUZE, DU KLEINER HOSENSCHEIßER, UND SCHREI HIER NICHT SO HERUM! ICH KANN MEIN EIGENES WORT KAUM NOCH HÖREN!“
Daraufhin herrscht zunächst Stille. Klaus bedeutet Peter, das Tablett auf dem Wohnzimmertisch abzustellen, auf dem sich bereits Dutzende von Papieren, Zeitschriften und Zeitungsartikeln stapeln. Nach ein paar weiteren unfreundlichen Worten an seinen Sohn reicht er Peter wieder den Telefonhörer.
„Chef?“
„Dein Weihnachtsgeld bekommst du natürlich nicht mehr. Schönen Tag noch!“, nuschelt dessen Stimme aus dem Hörer. Dann knackt es in der Leitung und das Gespräch ist beendet.
„Er hasst es, wenn er nicht das bekommt, was er möchte“, erklärt Klaus. „Das macht es für mich umso spannender, denn dann stellt er immer etwas Idiotisches an. Mal schauen, was er sich dieses Mal einfallen lässt.“ Grinsend reibt sich Klaus die Hände. „Tee?“

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