11. Dezember

„Die Bibliothek? Bist du bescheuert?“

Karla hat vorsichtig die Tür zu meinem Zimmer geöffnet und den Kopf hereingesteckt. Ich habe sie sofort bemerkt. Noch immer bin ich stinksauer.

„Wäre es dir lieber, ich hätte ihr davon erzählt, wie bescheuert du dich mir gegenüber verhältst?“

„Nein“, gab ich zu. „Aber die Bibliothek? War doch klar, dass sie das nicht glaubt.“

„Tut mir Leid. Mir fiel so spontan einfach nichts ein, sie hat mich vollkommen überfallen, als ich heimgekommen bin. Woher sollte ich auch von dem Brief wissen.“ Karla sieht ehrlich betrübt aus.

„Schon ok“, sage ich und hoffe, das Thema ist damit abgehakt. Jetzt, wo sie ihre Entschuldigung los ist, kann sie ja wieder gehen. Aber sie tut es nicht. War ja klar. „Was ist denn noch?“

Karla kommt herein und schließt die Tür hinter sich. Na toll. Jetzt werde ich sie noch schwerer los, denke ich. „Was hast du da?“

„Arbeit aus der Bibliothek“, behaupte ich und lege den Stapel Papiere schnell weg. Das geht sie nichts an! Verdammt, wie werde ich sie denn nun wieder los?“

„Zeit mal her!“

„Nein! Lass mich doch einfach in Ruhe!“ Bevor sie mich erreicht, stecke ich die Papiere schnell in meine Schreibtischschublade und halte diese zu. „Warum musst du dich immer überall einmischen?“ Ich denke an den Rat des Alten, einfach etwas nach ihr zu werfen. Aber um an ein Kissen zu kommen, müsste ich den Raum bis zu meinem Bett durchqueren. Dann käme sie problemlos an die Schublade. Ersatzweise greife ich nach einem Packen Taschentücher und werfe es. Es fliegt in einem hohen Bogen an ihr vorbei. Erstaunt schauen wir beide zu, wie es gegen die Tür fliegt und knallend auf dem Boden zum Liegen kommt.

„Das war wohl nichts“, sagt sie mit einem Grinsen. Plötzlich fängt sie an zu Kichern.

„Was ist jetzt schon wieder?“, frage ich genervt.

„Du wirfst wie ein Mädchen.“

„Machs besser!“, grummle ich und deute auf die Taschentücher. Eigentlich meine ich meine Aufforderung nicht ernst, aber Klara dreht sich um, holt die Taschentücher. „Hier, damit du dir die Nase putzen kannst, wenn du wieder heulst“, sagt sie und wirft. Die Taschentücher landen im Regal etwa einen Meter neben mir.

Nun muss ich lachen.  „Ja wirklich. Du kannst das ja so viel besser.“ Karla grinst verlegen.

„Egal, los, sag schon, was du da versteckst. Dann erzähle ich deiner Mutter auch, was es mit dem Brief wirklich auf sich hat.“

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