8. Dezember

„Karla ist schon seit Stunden zuhause. Und Benni taucht einfach nicht auf. Schatz, ich mache mir Sorgen.“

„Er ist in der Bibliothek. Du hast Karla doch gehört.“

„Seit wann geht Benni in die Bibliothek? Das ist so überhaupt nicht seine Art. Er hasst Lesen.“

„Ach Schatz, es wird schon alles gut sein.“ Markus legt den Arm um seine Frau. Er weiß, dass er sie nicht beruhigen kann. Ihm selbst ist auch nicht wohl bei dem Gedanken, dass der Junge noch alleine draußen herumläuft, aber er versucht, sich nichts anmerken zu lassen. Alina würde sonst durchdrehen.

„Und dann auch noch dieser dumme Brief. Was hat er sich nur dabei gedacht?“

Er sieht wie Alinas Augen wässrig werden. Schnell beugt er sich zu ihr herüber und küsst sie auf die Wange. „Warten wir es ab. Er hat bestimmt eine Erklärung dafür.“

„Ja, und was für eine! Ich habe keine Lust mehr, mir seine Abenteuergeschichten anzuhören. Was für ein Abenteuer soll das sein, in dem er seinen Lehrer ans Schienbein tritt und ihn ohrfeigt? Und das kurz vor Weihnachten.“

Er hält sich zurück. Alina ist nicht zu stoppen, wenn sie einmal in Rage gerät. Ihr Sohn hat das von ihr geerbt, das weiß er. Benni ist schon öfters mal völlig ausgerastet und bisher fehlt ihm jedes Ventil dafür. Aber ein bisschen fragt er sich doch, was Weihnachten nun mit all dem zu tun hat.

Er hört, wie ein Schlüssel ins Schloss gesteckt wird und geht zum Fenster. Draußen fährt gerade ein Taxi weg. Verwundert zieht er die Augenbrauen nach oben. Auf die Geschichte bin ich gespannt, denkt er.

Alina hat die Geräusche ebenfalls gehört und ist bereits zur Haustür gelaufen. „Wo hast du gesteckt? Was fällt dir eigentlich ein? In der Bibliothek? Wie kommt Karla darauf, dass du in die Bibliothek gegangen bist? Was sollen diese frechen Lügen? Und wie kommt es dazu?“ Sie wedelt mit dem Brief von der Schule in ihrer Hand herum und starrt ihren Sohn an. Er versucht etwas zu sagen, aber sie lässt ihn gar nicht erst zu Wort kommen. „Ab auf dein Zimmer, sofort!“

Wütend wirft Benni seine Tasche in die Ecke, und stapft die Treppe hoch. Kurze Zeit später hört er die Zimmertür des Jungen zuknallen.

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