Sprachwirrwar – Warum Sprachen lernen?

Sprachen sind furchtbar. Mal ehrlich – warum müssen wir eigentlich so viele verschiedene Sprachen auf dieser Welt haben? Man kann ja nicht einmal sagen, dass deutsch gleich deutsch ist. Sonst würden die Sachsen kein Problem mit den Schwaben haben. Ja mei…und verdanken können wir alles dem Turmbau von Babel. Zumindest heißt es doch, dass vorher alle Menschen eine einzige Sprache gesprochen haben. Erst, weil sie mit dem Turm von Babel Gott erreichen wollten und er fürchtete, dass sie übermütig werden würden, bestrafte er sie mit dem Sprachwirrwar und verteilte die Menschen auf der ganzen Erde. Na danke!
Nun ist es aber so, dass diejenigen, die mehrere Sprachen (fließend) sprechen, vieles erleben können. Unter anderem auch das ein oder andere lustige Erlebnis. Nicht umsonst heißt es, dass jeder Mensch so viele Leben hat wie er Sprachen spricht. Wie viele Sprachen sprecht ihr denn so?

Bisweilen ist es immer wieder so, dass ich erstaunt gefragt werde: „Wie? Portugiesisch lernst du jetzt auch noch? Und was willst du denn mit Russisch?“ Ich muss dann immer erst mein Gegenüber beruhigen. Das Portugiesisch-Wörterbuch in meinem Schrank ist mir mehr oder weniger einfach in die Hände gefallen und ich wollte es nicht wegwerfen. Für Kenner des Spanischen ist es ja auch gar nicht so abwegig, mal aus Spaß zu versuchen, einen portugiesischen Text zu übersetzen. Mit der Aussprache fange ich aber lieber nicht an, da bräuchte ich eine Einführung.

„Und Russisch?“ kommt dann oft die zweifelnde Antwort. Ja, Russisch lerne ich. Wer schon einmal in einem osteuropäischen oder asiatischen Land im Urlaub war, kann das vielleicht nachvollziehen. Eine Sprache nicht zu beherrschen ist eine Sache, aber eine Schrift nicht lesen zu können, kann einen fuchsig machen. Da mir nun in den vergangenen Jahren immer häufiger Russisch untergekommen ist und ich gerne wissen wollte, was da denn steht, habe ich mir gedacht, die Schriftzeichen zu erlernen kann doch gar nicht so schwer sein. Und schon fing es an mit der Faszination.

Es ist wahr, wer viele Sprachen spricht, hat auch viele Leben. Denn jede Sprache gibt uns einen Einblick in eine fremde Kultur. Bei Englisch mag uns das nicht so auffallen, da wir mit der englischen Kultur so sehr vertraut sind, dass wir sie fast als unsere eigene annehmen können. Nur wer wirklich tief eintaucht, kann noch vor den Kopf gestoßen werden. Oder wer sich mit Ländern beschäftigt, deren Kultur wir nicht täglich miterleben: Indien zum Beispiel, aber auch Australien und Neuseeland.

Im Spanischen wurde es mir bereits viel deutlicher, wie viel Kultur doch in der Sprache steckt. Zum Einen ist da dieses Lebensgefühl, dass mittransportiert wird. Kaum spreche ich spanisch, fühle ich mich energiegeladen, es ist, als würde ein Feuer in mir entbrennen. Da ist diese Kultur der Entdecker, Kolumbus als der bekannteste von ihnen. Es ist eine Kultur, die keinen Sinn darin findet, alles kompliziert und supergenau beschreiben zu müssen. Ein paar Wörter miteinander kombinieren reicht doch. Aus dem Studienobjekt wird eben el objeto de estudio. Im Deutschen würde das gar nicht funktionieren.

Noch lustiger wird es, wenn es ein Wort aus einer Sprache in einer Anderen gar nicht gibt. Den meisten bekannt ist vielleicht die Schadenfreude, ein Ausdruck, den es im Englischen gar nicht gibt und der deshalb als deutsches Wort Eingang in die englische Sprache gefunden hat. Ein anderes Beispiel: Die Inuit haben über zwanzig Bezeichnungen für verschiedene Arten von Schnee. Bei uns ist alles einfach Schnee. An diesen Stellen in der Sprache stößt man auf Kultur pur.

Und eine Sprache nicht einmal lesen zu können vermittelt natürlich das Gefühl, das Analphabeten haben müssen. Bloß weil ich also in einer Sprache lesen kann, heißt es nicht, dass ich in einer anderen nicht als Analphabet gelten würde.

Da wir  also seit dem großen Sprachenwirrwar nach dem Turmbau von Babel (so die Legende) mit so vielen verschiedenen Sprachen zu tun haben, heißt es wohl oder übel Sprachen lernen. Es hat schließlich auch viel mit Integration zu tun. Wie sonst kann man sich einer Kultur zugehörig fühlen, wenn man nicht einmal ihre Sprache spricht?

Aber sehen wir es positiv: Wer Sprachen lernt, kann viel Lustiges erleben:

Ein Schwede ist auf dem Weg zur Spanischsprachschule. Unterwegs begegnet er seiner Mitschülerin, einer Deutschen. Diese ist noch etwas im Halbschlaf. „Guten Morgen“, begrüßt sie ihn auf deutsch. Er schaut sie völlig ratlos an. „Guten Morgen“, wiederholt sie deshalb nochmal, sicher, dass sie einfach zu sehr genuschelt hat. „What did you say?“, fragt der Schwede vorsichtig. Noch einmal wiederholt die Deutsche ihren Gruß, allmählich genervt. Warum versteht der Schwede denn auch nicht? Ihr Englisch ist doch einwandfrei. Bis ihr der Fehler auffällt. „Good Morning“, erklärt sie deshalb und läuft rot an.

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„Hey, nice to meet you? Where are you from?“

„Hi, I am from Germany. You are from Spain, right?“

„Yes, I am, but I can speak German. Äh, ich meine, ich spreche auch deutsch.“

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„Excusez moi, est-ce que c’est le stade de football?“

„Si.“

„Oh, hablas español?“

„Oui, mais je puedo parler un poco de francais tambien.“

„Comment?“

„Äh, je suis confu….ziert? I’m sorry.“

„Ah, well English is easier. I am afraid, my English is horrible, but maybe you understand anyway…“

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2 Kommentare zu „Sprachwirrwar – Warum Sprachen lernen?“

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