Mama, da gehts lang!

Der kleine Paul weiß genau, was er möchte. Die Türen des Kindergartens waren abgeschlossen, der Himmel verdunkelte sich allmählich, die Luft wurde kälter. Während die Mama und der große Bruder noch am Eingang des Gebäudes standen, aus dem sie Paul abgeholt hatten, stapfte er schon mal los nach Hause. Wer will auch ewig in der Kälte stehen?
Mutter und Bruder schenkten Paul keine Beachtung. Vertieft in eine Zeitschrift diskutierten sie verschiedene Freizeitangebote aus, die Kindern vom Kindergarten angeboten wurden. „Schau mal, da kannst du auch Skifahren. Und im Sommer machen sie Ausflüge: Radfahren, schwimmen, klettern. Da ist bestimmt auch was für dich dabei“, sagte die Mutter und deutete dabei auf eine Anzeige. Der Rucksack des kleinen Pauls rutschte ihr dabei fast von der Hand. Schnell änderte die Frau ihre Handhaltung wieder. „Da sind wirklich tolle Sachen dabei.“
Paul blickte indessen zurück und sah, dass sich die anderen beiden noch immer nicht vom Fleck bewegt hatten, wurde ungeduldig. „Mama, komm schon!“ Er kletterte in eine Grube in der Rasenfläche, in der Annahme, dass dies die Aufmerksamkeit seiner lieben Mama auf sich ziehen sollte. Schließlich hatte sie es ihm schon am Vortag verboten. Nun aber ignorierte sie ihn. Es dauerte fünf Minuten, bis sie überhaupt aufblickte und auch dann rief sie nur nach ihm. „Komm, wie gehen nach Hause!“
„Ja…“, rief Paul, schritt jedoch in die entgegengesetzte Richtung. „Mama, da gehts lang!“
Sein Bruder hielt es für nötig, die Worte noch einmal zu wiederholen. „Paul, komm, es wird kalt!“
„Ich will da aber nicht lang, gehen wir den andern Weg heim!“, schallte es aus der anderen Richtung.
„Nein, Paul, komm jetzt!“
„Nein, ich will nicht, ich bin zuerst losgegangen, ich bestimme heute den Weg.“
Mutter und Bruder sahen sich kurz genervt ein. Paul legte anscheinend ein Verhalten an den Tag, dass sie schon kannten. „Meinetwegen, ich muss sowieso noch einkaufen“, gab die Mutter schließlich nach.
Der Bruder bockte noch. „Der Weg ist doch viel länger!“
„Ist er nicht“, antwortete Paul, der sich schon wieder in Bewegung gesetzt hatte.
„Wer sagt das?“
„Ich.“ Pauls Selbstbewusstsein trat zu Tage, als er sich zu seinem skeptischen Bruder umblickte. „Ich hab das so beschlossen!“

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