The Poemcatcher

Es war ein Moment der Unachtsamkeit. GedankenvPoemcatchererloren sind meine Augen über die vielen finnischen Buchtitel auf der Frankfurter Buchmesse geglitten. Das Gastland hatte aus allen möglichen Bereichen Beispielwerke finnischer Autoren mitgebracht und und zum Stöbern und gemütlichen Lesen bereitgestellt. Daneben gab es weitere Aktionen, bei denen man finnische Gedichte auf Papier abpausen konnte oder einer Lesung zuhören konnte. Die Warteschlangen davor waren lange, das Interesse groß. An dem Gedicht abpausen hatte ich mich schon versucht, das war ein großer Spaß. Leider wurde er etwas dadurch gedämpft, dass ich die fremden Wörter einfach nicht verstand. Kaum jedoch war ich wieder im Hauptbereich des Ausstellungsbereichs Finnlands, lief ich beinahe in einen jungen Mann. Ich brauchte einen Moment, mich wieder zu sammeln und den Fremden verdutzt anzuschauen. Meine Verwunderung und mit ihr wohl auch meine Augen wurden größer, als ich die seltsame Gewandung des Unbekannten bemerkte: Die typischen schottische Tracht wurde ergänzt durch eine schlichte Umhängetasche. Das Auffälligste jedoch waren das große Schild auf dem „PoemCatcher“ geschrieben stand und das Fischernetz, in dem sich bereits viele, viele Papierzettel befanden.

„Hey, would you like to write a poem?“, sprach er mich und meine Begleitung C. auch augenblicklich an. Mir fehlten zunächst die Worte, doch zum Glück war C. nicht auf den Mund gefallen. Das Ergebnis des kurzen Smalltalks war allerdings, dass ich einen Zettel und einen Stift in die Hand gedrückt bekam und dazu aufgefordert wurde, etwas zu dichten.

‚Gehts noch? So ganz spontan, ohne Nachzudenken? Ich bin doch keine Gedichtemaschine!‘, war in etwa alles was ich dachte. Irgendwie gab ich mich dann aber doch geschlagen. Das Ergebnis seht ihr auf der rechten Seite. Klingt seltsam, aber irgendwie empfand ich das Schreiben am Ende gar nicht als schwer. Einen Moment nachgedacht und festgestellt, dass Nachdenken nichts hilft, dann einfach losgelegt. Das Ergebnis war eine totale Befreiung. Ich hatte nicht mehr an den Trubel um mich herum gedacht, an die vielen Menschen, sondern einfach dagesessen und über Worte sinniert.

Als ich den Zettel abgeben wollte, war der PoemCatcher gerade im Gespräch mit einer Dame. Begeistert, dass ich nun ein Gedicht zur Abgabe für ihn hatte, forderte er mich sogleich auf, es ihm und der Dame vorzutragen. So kam ich also ungewollt auch noch zu einer spontanen Lesung nach der kreativen Betätigung. Da ich mich schlecht herausreden konnte, gab ich mir alle Mühe. Dummerweise konnte ich meine eigene Schrift schon nicht mehr so wirklich entziffern, da zu vieles durchgestrichen worden war, und verrutschte mehrmals in der Zeile. Meine beiden Zuhörer nahmen es mit Humor und am Ende gab es noch ein bisschen Lob. Doch die eigentliche Freude für mich war das Schreiben und das fertige Produkt in den Händen zu halten. Manchmal ist es einfach schön, völlig unerwartet von jemandem zu etwas überredet zu werden, was man so eigentlich nicht machen würde.

Da ich die Idee des Schotten so wunderbar finde, möchte ich euch auch noch auf seine Seite www.poemcatcher.com hinweisen. Schaut doch vorbei. Und wenn ihr Lust habt, lest auch in die Werke rein, die ihr als E-book erhalten könnt. Es macht wirklich Spaß, was die Menschen durch eine spontane Aufforderung alles produzieren können!

Der Gedichtefänger

Und ganz plötzlich stand er vor mir
fragte mich nach einem Gedicht,
so ganz spontan,schnell, jetzt und hier,
 
wollt, dass ich was aus den Fingern zieh,
mir die Worte auf dem Papier richt,
und so aus dem ganzen Trubel flieh.
 
Was mach ich nur, was schreib ich denn auf?
So nehmen die Ideen ihren Lauf
und schon steht es geschrieben vor mir
auf diesem kleinen Zettel Papier.

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