Auch das ist Paris

Paris. Das ist die Stadt der Mode und der Kunst. Der Fotografie und des guten Essens. Und allem voran ist Paris natürlich die Stadt der Liebe. All das ging mir durch den Kopf, als ich das erste Mal meine Füße auf das französische Pflaster setzte und die Architektur bestaunte. Und immer wieder auch: Das hab ich alles schon mal gesehen. Wie viele Menschen schwärmen doch von Paris als einer sIMG_1633o unglaublich schönen, so romantischen Stadt. Sie haben in mir Erwartungen geweckt, die ich in diesen ersten Momenten absolut nicht erfüllt sehen konnte. Missmut und Frustration waren die Folge. Warum war ich eine Woche hier? Architektonisch bot sich mir nichts Neues. Den Eiffelturm hatte ich so oft auf Bildern und in Filmen gesehen, dass selbst er in mir kein Staunen mehr hervorrufen konnte. Nagut, ein bisschen überrascht war ich doch, wie viel Stahl da verbaut worden war, aber das war es dann auch schon. Was also tun? Einen Frusturlaub erleben? Ich habe die Hoffnung nicht aufgegeben, habe fleißig weiter nach dem romantischen Paris gesucht, von dem mir jeder erzählt hatte. Und irgendwann, an einem späten Abend mit Gitarrenmusik und den Stimmen von vielen Menschen im Ohr hat es dann klick gemacht. Eigentlich lag der Zauber von Paris doch die ganze Zeit vor mir! Ein bisschen hat es schon gebraucht, bis mir klar wurde, in was sich einzelne Kulturen unterscheiden. Es ist eben nicht die Architektur, die Statuen oder die Geschäfte und Museen. Die können bisweilen sogar in vielen Ländern die gleichen sein. Was ein Land oder eine Stadt ausmacht sind doch viel mehr die Leute, die darin wohnen und ihr Zuhause prägen!

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Seien es nun Menschen, die dem Größenwahn erliegen und überall Denkmäler erbauen lassen. Napoleon und Ludwig XIV waren da sicherlich nicht die einzigen, aber sie haben ihren Größenwahn schon sehr zentralisiert gestillt. Und das sieht man. Egal wohin man sich im Zentrum von Paris bewegt, überall findet man Statuen und Gebäude, die in einer der beiden Ären entstanden sind und bis heute überdauern. Überall erinnern Straßennamen oder Gemäde an diese beiden Herrschaften. Man kann die Geschichte, die hier weilt, förmlich spüren.

Doch Paris ist mehr als ein paar Haufen Geschichte. Die Pariser scheinen sich mir durch eine besonders sture Form der Missachtung von Verkehrsregeln auszuzeichnen. Rote Ampeln zu ignorieren ist in Großstädten Gang und Gebe, aber völlig ungeachtet des Verkehrs quer (!) über eine riesige Straßenkreuzung zu laufen und dabei genüsslich ein Croissant zu essen, das geht schon ein bisschen weit.

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Ein bisschen muss ich mich auch wundern, wie man in der Stadt mit den vielen tausend Touristen umgeht, die hier tagtäglich nach der Romantik suchen, von der eben jeder schwärmt. Die Pont des Arts sollte für mich der erste Anlaufpunkt für ein bisschen Romantik sein. Klar, wo so viele Liebende ihr Zeichen – besser gesagt ihr Schloss – hinterlassen, muss doch etwas hängen bleiben, oder? Vielleicht ist die Brücke deshalb ein beliebter Anlaufpunkt für Straßenmusiker. Und die vielen Künstler? Die findet man problemlos zu jeder Tageszeit im Viertel Montmatre, rund um die berühmte Sacre Coeur. Paris ist und bleibt eben die Stadt der Liebe und der Kunst. Und da jeder Tourist natürlich danach sucht, ist es kein Wunder, dass gerade diese Orte auch Anlaufpunkt für Taschendiebe und die lieben „Spendensammler“ sind, die wohl höchsten für ihre eigene Tasche sammeln. Mal ehrlich, so oft wurde ich in noch keiner einzigen anderen Stadt angesprochen. Ein bisschen gruselig war das schon! Aber sei es drum, wenn man von den vielen Sehenswürdigkeiten überall schon nichts mehr sieht, weil jeder nur noch sein Handy hochhält und Fotos macht, kann man ja auch auf seine Wertsachen aufpassen – und hinterher die ein oder andere lustige Anekdote von misslungenen Bettelversuchen erzählen.

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Paris ist aber nicht nur bei Tag sehr sehenswert, sondern auch nachts noch hell erleuchtet.
Ein Grund mehr, warum ich jedem, der sich diesen Trip mal gönnt, sehr empfehle, auch noch am späten Abend das Hotelzimmer zu verlassen und eine Anhöhe zu erklimmen. Sei es der Eiffelturm (ach kommt schon, das kann doch jeder!), der Turm Montparnasse (der zudem einen tollen Blick auf den Eiffelturm gewährt, also viel cooler als ersterer ist!) oder die Treppen zu Sacre Coeur. Dort wird abends zudem gerne Livemusik von jungen Künstlern geboten und es ist ein beliebter Anlaufpunkt für Studenten. Perfekt also für diejenigen, die danach noch auf eine Party wollen, direkt um die Ecke liegt schließlich auch das Partyviertel.

Paris ist aber noch viel mehr. Es ist laut, kinderreich, bunt, modern, anstrengend, teuer, lecker, schnell, groß, lebendig, voll, melancholisch, atmosphärisch, geplant, stressig, offen, herzlich, eigensinnig, streng, beschäftigt, gelassen, romantisch, erfinderisch, inspirierend, kreativ, genau, direkt, kultiviert, vielfältig, ….IMG_2000

Und um jetzt nicht mit einem weiteren Bild vom Eiffelturm aufzuwarten, schließe ich lieber mit einem Bild ab, das ich am Seine-Ufer gemacht habe, als ich bereits die letzten Minuten in Paris genoss und in der Ferne eine kleine Truppe Musiker typische Lieder aus der Bretagne spielte. Mag sein, dass Paris niemals auf Platz eins meiner Lieblingsstädte wandert. Aber nach einer Weile Bedenkzeit konnte ich doch feststellen, dass die Stadt durchaus noch Flair hat, wenn man sich abseits der touristischen Viertel noch ein bsischen umsehen kann. Oder auch im Zentrum, wenn man die Stadt nicht nur auf den Eiffelturm oder Notre Dame begrenzt. Eigentlich gibt es dort nämlich viel mehr und wesentlich schöneres zu sehen!

 

 

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