Brave New World

Schöne neue Welt ist das. Okay, gar nicht mehr so neu, da diese Utopie von Aldous Huxley bereits 1932 erschienen ist. Dennoch hat einiges davon nicht wirklich an Aktualität verloren. Vielleicht ist es sogar aktueller denn je.
Wenn ich morgens in die Uni komme, sehe ich meistens zuerst ein paar Studenten, die gerade auf ihrem Handy irgendetwas nachlesen und sich mit Spielen beschäftige. Die Vorstellung, ohne diese technischen Geräte auszukommen, die fast schon schlimmer als Drogen wirken, da sie keine präsenten Nebenwirkungen zeigen, scheint für die meisten meiner Kommilitonen unerträglich. Mir dagegen, die ich ohne vergleichbaren technischen Schnickschnack lebe (meiner Bibliophilie sei Dank!), offenbart sich dagegen ein Bild von Menschen, die es nicht mehr Zustande bringen, miteinander zu reden und einfachen Smalltalk zu führen. Ich will gar nicht behaupten, dass diese Leute verlernt haben, zu kommunizieren. Vielmehr glaube ich nicht mehr daran, dass sie zu ihren Tischnachbarn noch mehr als ein höfliches „Hallo“ sagen können. Stattdessen wird auf Fragen mit Desinteresse reagiert. Immer gibt es etwas Besseres zu tun. Seinen Freunden, die man vor fünf Minuten verabschiedet hat, noch eine Nachricht per Whatsapp schreiben, beispielsweise. Was bleibt sind für mich dann nur noch Menschen, die maschinenartig ihre Arbeit erledigen, die sich an der Technik erfreuen, doch sonst keinen Spaß mehr im Leben sehen – Halt nein, Alkohol und Party gibt es schließlich auch noch. Das Soma für  den Abend eben. Doch letzten Endes ist ein Mensch wie der andere. Ein Opfer seiner technischen Apparate.
Bleibt die Frage nach dem Individuum. Gibt es einen Menschen, der besser ist als andere? Gibt es Individuen, die das Leben mehr verdient haben? Die Geschichte hat uns vor einigen Jahrzehnten eindeutig gelehrt: Nein! Ob Juden oder Christen, ob Deutsche oder Türken, ob Schwarze oder Weiße, letzten Endes sind wir alle gleich. So gleich, wie sich zwei Menschen eben sein können mit unterschiedlichen Vorlieben, eigener Geschichte und individuellem sozialem Umfeld. Und, ja, so ist es nun einmal, unterschiedlichen genetischen Vorgaben. Das macht die Frage nach dem Chlonen natürlich noch einmal interessanter. Denn selbst zwei vollkommen identische Menschen müssten demnach spätestens nach der Geburt eine unterschiedliche Geschichte erleben. Wer ist nun gleich, wenn wir einander nicht endgültig gleichen können? Ist es nicht sogar besser, dass es nicht zwei vollkommen identische Menschen gibt? Umso erschreckender jedoch, wenn wir uns diesen Vorstellungen mehr und mehr annähern und mehr und mehr zu Geiseln der Technik werden, durch die wir unsere Individualität verlieren. Wo bleibt da der Mut zum Anderssein?
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