22. Dezember 2013

Ich Idiot war viel zu schnell gefahren und das genau in dem Moment, als die Polizei mit einem Einsatzwagen am Straßenrand gestanden hatte. Nun düsten sie mit Blaulicht hinterher. Mir wurde ganz anders zumute. Aus die Maus! Nicht nur festnehmen würden sie mich, nein, die Wette hatte ich damit auch noch verloren.
Ich presste leicht mit dem Fuß auf das Gaspedal und spürte, wie ich sanft in meinen Sessel gedrückt wurde. Der Wagen hinter mir beschleunigte ebenfalls. Die blau leuchtenden Lampen wurden von meinem Rückspiegel zurückgeworfen und blendeten mich. Ich fluchte. Ausgerechnet jetzt kam mir tatsächlich eine Idee, doch wie sollte das funktionieren mit der Polizei im Nacken? Ich brauchte Zeit.
Inzwischen fuhr ich so schnell über die Autobahn, dass ich der Tankanzeige zuschauen konnte, wie sie sich bewegte. Draußen war es Nacht. Ich war den ganzen Tag unterwegs gewesen, war von einem Ort zum nächsten gefahren. Inzwischen war klar, dass ich es nicht wagen konnte zur Grenze zu fahren. Überall gab es Suchmeldungen, mehrmals wurde meine Beschreibung im Radio durchgegeben. Nun war ich müde, wollte mich nur irgendwo schlafen legen. Selbst ein Gefängnisbett erschien mir immer sympathischer. Weich und warm. Keinen Stress mehr….doch ich wollte meine Freiheit nicht verlieren. Auf gar keinen Fall! Die Gedanken sind frei!
Verwirrt blickte ich auf, blinzelte. Die nächste Ausfahrt nehmen, sagte ich mir selbst. Und beten, dass sich dadurch ein Ausweg ergibt.
Ich sah das Ausfahrtsschild bereits auf mich zukommen. Dann war ich daran vorbeigefahren. Als die Ausfahrtsspur begann, folgte ich weiter der Autobahn. Erst im letzten Moment drehte ich ab, bremste und ließ mich in die Kurve rollen. Einen Moment hatte ich Angst, dass sich der Wagen überschlagen würde. Dann war es vorbei. Ich blickte in den Rückspiegel. Noch immer sah ich blaue Lichter blinken, war mir allerdings nicht sicher, ob die Polizei ebenfalls rechtzeitig die Abfahrt hatte nehmen können.
Egal, ermahnte ich mich. Lassen wir es besser nicht drauf ankommen.
Ich landete auf einer wenig befahrenen Landstraße und folgte ihr mehrere hundert Meter, bis ein Waldstück kam. Die erste Einfahrt auf das Waldgrundstück nahm ich und stellte den Wagen zwischen den Bäumen ab, gerade so weit, dass er nicht mehr von der Straße her einsehbar war. Dann stieg ich aus und stand unsicher da. Blickte in den Himmel. Zurück zur Straße. Auf den Wagen. Wieder zur Straße. Ich zählte langsam, hoffte, dass ich das Signalhorn der Polizei nicht weiter vernehmen würde. Ich wurde enttäuscht. Es kam näher, wurde lauter.
Da ich nicht wusste, was ich sonst tun sollte, zählte ich weiter, entfernte mich sicherheitshalber auch vom Wagen. Vielleicht musste ich mich verstecken. Das Geräusch wurde immer lauter, mir wurde schwindelig. Mein Herz raste vor Aufregung. Als ich die Straße im Blick hatte, selbst aber hinter einem Baum stand, wartete ich. Siebzig. Einundsiebzig. Zweiundsiebzig…. Als Kind hatte mich das Zählen immer beruhigt. Nun wirkte es erst, als ich sah, wie der Polizeiwagen an mir vorbeiraste. Schade, dass damit das Spiel noch nicht gewonnen war.

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