20. Dezember 2013

Es war klar, dass ich hier nicht länger bleiben konnte. All die anderen Morde mochten ja klar gehen, aber mit dem Polizisten hatte ich eindeutig einen Fehler begangen. Auch zu Klaus konnte ich nicht. Am Ende würde er sich nur ebenfalls strafbar machen. Nein. Am besten packte ich meine Sachen und verließ die Stadt. Zum Glück hatte ich für solche Fälle noch ein altes Nummernschild vom Wagen meiner Eltern. Bis dieser Fehler aufflog, würde ich längst über alle Berge sein.

Zehn Stunden später gab ich dem Drang nach, an einer Raststätte auf Toilette zu gehen. Es wurde einfach dringend Zeit dafür. Vorher jedoch vertrat ich mir noch kurz die Beine und holte mir einen Kaffee. Meine Augen brannten von der durchgemachten Nacht, ich zitterte am ganzen Körper. Das Alter, dachte ich. Immer wieder das verdammte Alter. Früher, da war doch alles noch besser.
Als ich endlich so weit war, stellte ich mich an der Schlange vor der Toilette an. Zu meinem Unglück war gerade eine Reisegruppe vor mir angekommen. Dennoch freute ich mich darüber, dass es bei uns Männern wie gewohnt schneller voranging als bei den Frauen. So wartete ich geduldig und lauschte den Gesprächen der Gruppe, ohne großes Interesse dafür aufbringen zu können.
Irgendwann stand nur noch ich wartend da. In diesem Moment kam eine Putzfrau um die Ecke, die sich vordrängelte. „Entschuldigen Sie, ich muss da durch.“ Sie kümmerte sich nicht um die Herrschaften, die gerade noch dabei waren, ihr Geschäft zu verrichten. Als sich eine der Klotüren öffnete, eilte sie darauf zu und drängte sich vor mir in die enge Kabine. Ich ließ wütend die Zähne knirschen, doch es half nichts. Hinter mir wartete niemand mehr. Vielleicht hatte sie mich auch einfach übersehen. Nein, Blödsinn. Sie hatte sich ja an mir vorbeigedrängt.
Nach und nach leerten sich die einzelnen Kabinen, doch nun hatte ich es auf eine bestimmte abgesehen. Deshalb wartete ich, bis auch der letzte Besucher ging und drängte mich hinter der Putzfrau in die Kabine. Erschrocken sah sie auf.
„Entschuldigen Sie, ich bin hier noch am Putzen!“
Weiter ließ ich sie nicht sprechen, sondern legte ihr die Hand auf den Mund, während ich mit der anderen die Tür hinter uns schloss. Ich schnappte mir einen ihrer schmutzigen Putzlappen und stopfte sie ihr in den Mund. Sie wehte sich heftig, doch es schien ausnahmsweise keiner zu kommen. Wie wunderbar, dachte ich. Ich konnte die Frau kaum noch kontrollieren, hatte inzwischen aber selbst so viel Wut über ihre freche Drängelaktion, dass ich sie kurzerhand im Nacken packte und ihren Kopf in die Kloschüssel drängte. Sie war noch voller Putzmittel. Dann drückte ich auf den Spülknopf und schaute belustigt zu, wie sie zappelte. Sie hatte kaum mehr Bewegungsfreiheit. Nach mehrfachem Spülgang kniete sie nieder. Dann erschlafften ihre Glieder schließlich. Ich lächelte. So war es richtig. Nun kannst du die Toilette ruhig benutzen!
Hastig verrichtete ich mein eigenes Geschäft, dann vergewisserte ich mich, dass niemand draußen stand. Ein Mann kam gerade herein, als ich aus der Toilette trat.
„Kein Papier mehr“, erklärte ich ihm kurzerhand und er wählte eine der anderen Kabinen. Hastig drehte ich mich um und sperrte die Toilettentür mit meinem Schlüssel von außen ab. Dann wusch ich mir die Hände und eilte zurück zu meinem Wagen. Es war Zeit, weiterzufahren. Ich wollte noch vor Mittag außer Landes sein.

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