18. Dezember 2013

Ich steckte mitten im Feierabendverkehr fest, es ging nur im Schneckentempo voran. Dabei war ich bereits kurz vor dem Parkplatz, zu dem ich wollte, direkt neben einer Bankfiliale. Während ich darauf wartete, dass es weiterging, beobachtete ich ein paar Bauarbeiter, die gerade dabei waren, ein Haus abzureißen. Die Abrissbirne stand bereit, sie war schon ausgerichtet worden. Nun gingen die Männer noch einmal alles durch und kontrollieren, dass sie alles richtig berechnet hatten. Doch anstatt ihr lange geplantes Vorhaben nun auszuführen, beendeten sie ihre Arbeit pünktlich um vier Uhr und verließen die Baustelle.
Ich konnte über so viel Genauigkeit nur den Kopf schütteln. Am nächsten Tag würden sie alles noch einmal kontrollieren müssen. Da hätten sie besser heute ein paar Überstunden gemacht und am nächsten Morgen länger geschlafen. Aber wem erzählte ich das? Die Menschen waren nun mal, wie sie waren.
Endlich ging es voran. Ich ließ die Kupplung kommen und der Wagen rollte ein paar Meter, bis er wieder zum Stehen kam. Nach ein paar Minuten kam ich ein paar weitere Meter voran. Endlich reichte es, um mich durch die schmale Einfahrt auf den Parkplatz vor der Bank zu drängeln. Ich seufzte erleichtert, als ich den Schlüssel zog, und lehnte den Kopf gegen die Stütze hinter mir. Dieser Verkehr stresste mich heute mehr als gewöhnlich.
Schnell eilte ich zum Automaten und zog mir ein paar Scheine, dann setzte ich mich wieder in den Wagen. Am besten wartete ich, bis der Verkehr aufhörte. In der Zwischenzeit wollte ich die Baustellenarbeiter noch ein wenig beobachten. Zu meinem Pech hatten diese allerdings alle ihren Arbeitsplatz verlassen und drängten sich gerade mit ihren Autos zwischen die sowieso schon gereizt warteten. Ein einziger Mann war noch übrig, der über die Baustelle wanderte, hier und da herumturnte und alles überprüfte. Ich frage mich, was diesen Mann davon abhielt, nach Hause zu gehen. Außer mir schien ihn jedoch niemand zu bemerken.
Neugierig geworden stieg ich wieder aus und lief zur nächsten Ampel, um die Straße zu überqueren. Es wurde allmählich dunkel, vor mir sah ich kleine Wolken meines Atems. Es war eisig kalt. Ich betrat die Baustelle durch die noch offenstehende Autoausfahrt und steuerte auf die Abrissbirne zu. Rein aus Interesse, versteht sich. Währenddessen blieb mein Blick auf dem Fremden hängen, der nun seltsamerweise an der Wand herumkletterte. Ich schüttelte den Kopf. Es war doch viel zu kalt dafür!
Bei dem Fahrzeig steckte der Schlüssel noch. Unwillkürlich musste ich grinsen. Davon hatte ich schon als kleiner Junge geträumt! Daher setzte ich mich ohne Zögern in das Innere auf den weichen Ledersessel und drehte den Zündschlüssel. Die Maschine lief augenblicklich an. Einen Moment studierte ich die Knöpfe und Hebel, doch es sah alles recht einfach aus. Also ließ ich die Birne etwas schleudern und war fasziniert von ihren Bewegungen. Ich spielte ein wenig an den Hebeln. Die Birne machte eine ovale Bewegung. Plötzlich nahm sie Fahrt auf – und landete mitten in der Mauer des Hauses, das abgerissen werden sollte. Ich zog den Kopf ein. Hoppla! Das hatte ich eigentlich nicht vorgehabt. Noch weniger war es geplant, dass ich ausgerechnet den Fremden erwischt hatte, der an der Mauer herumgeklettert war. Na super. Hastig zog ich mir die Kapuze ins Gesicht und rannte über die Baustelle davon. Hinter mir hörte ich Stimmen. Als ich einen Blick über die Schulter warf, sah ich ein paar Männer in Bauarbeiteruniform auf der gegenüberliegenden Straßenseite. Der starke Verkehr trennte sie von mir. „So ein Mist aber auch“, fluchte ich. Jetzt konnte ich gar nicht zu meinem Wagen. Egal, hauptsache schnell weg, bevor die Polizei hier ankommt!

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