16. Dezember 2013

Ich stand auf dem Parkplatz vor dem Einkaufszentrum und lud gerade meine Taschen ins Auto, als mich jemand ansprach.
„Entschuldigen Sie, könnten Sie mir vielleicht Starthilfe geben?“ Es war eine junge Frau, ich schätzte sie auf Anfang zwanzig, vielleicht Studentin oder Auszubildende.
Ich legte ein Lächeln auf und nickte hilfsbereit. „Natürlich, haben Sie Starterkabel?“ Die Frau bestätigte es mir und zeigte mir, wo ihr Wagen stand. So beeilte ich mich, die restlichen Einkäufe im Kofferraum zu verstauen und parkte meinen Wagen um. Wir öffneten beide unsere Motorhauben und ich legte die Kabel der entsprechenden Reihenfolge nach an Plus- und Minuspol der beiden Autobatterien, während mich die junge Frau aufmerksam beobachtete.
„Ich habe das noch nie gemacht. Zum Glück kennen Sie sich da aus“, sagte sie schließlich freiheraus. Ihre Augen leuchteten vor Dankbarkeit.
„Starten Sie jetzt den Motor und lassen Sie ihn im Leerlauf laufen“, erklärte ich ihr, während ich dasselbe in meinem Wagen tat. Anschließend stieg ich wieder aus und wartete, mir die Hände reibend. Auf dem Parkplatz war keine Menschenseele mehr zu sehen. Aber wer erledigte auch seine Einkäufe kurz vor Ladenschluss?
Nach etwa zehn Minuten sagte ich der Frau, dass man jetzt sicherlich die Kabel lösen könnte und drehte mich um, um zurück zu meinem Wagen zu gehen. Plötzlich hörte ich hinter mir einen gequälten Aufschrei. Erschrocken wandte ich mich wieder um und sah zu der Frau, die eines der Kabel in der Hand hielt, gerade noch die Autobatterie berührte und seltsam zuckte. Ihr Gesicht war schmerzverzerrt. Irgendwann ließ sie das Kabel los und klappte zusammen. Ich stand reglos da, schockiert von dem Anblick der sich mir gerade geboten hatte. Irgendwann fasste ich mich, stellte die beiden Wagen ab, die weiter im Leerlauf liefen, und beugte mich über die junge Dame. Nach ein paar Minuten war ich mir gewiss, dass die Frau tot war. Ihr Herz schlug nicht mehr, die Stromeintritts- und Austrittsstellen an ihren Händen waren kohlrabenschwarz. Ich schluckte. Da hatte ich mir wirklich nicht gerade den besten Ort für einen Mord ausgesucht. Dabei…war das überhaupt ein Mord? Egal, Klaus würde ich es als einen verkaufen. Wie konnte die Dame nur so dumm sein, den Stromkreis unterbrechen zu wollen? Und dann auch noch so ungeschickt!
Ich zog sie seitlich neben den Wagen, schloss die Motorhaube ihres kleinen Fiat und setzte mich in meinen eigenen Wagen, um zu verschwinden. Als ich gerade die Ausfahrt verließ und auf die Straße bog, sah ich im Rückspiegel einen Streifenwagen, der auf den Parkplatz abbog. Ich fluchte. Hoffentlich hatten sie sich meinen Wagen nicht genauer angesehen.

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