14. Dezember 2013

Ich war in einer Buchhandlung. Nicht irgendeiner. Es gab ja einige, von denen die meisten zu einer großen Kette gehörten, die auch Läden in anderen Städten hatten. Ich dagegen war in einer unabhängigen Buchhandlung, die noch von einer Familie betrieben wurde, genauer gesagt von Herrn Trutz, und seiner Tochter. Trutz war ein seltsamer alter Kauz, der es verstand seine Kunden zu beraten und der wohl jedes Buch in seinem Laden selbst gelesen hatte. Seine Tochter war nicht anwesend, von ihr erfuhr ich nur durch die Erzählungen des Alten.
Ich war hierher gekommen, da mir die Ideen für Morde absolut ausgegangen waren. Es herrschte geradezu tote Hose. Nun hoffte ich, dass ein besonders verrückter Autor mal eine Reihe über einen Serienmörder geschrieben hatte, der stets auf unterschiedliche Weise tötete. Trutz jedoch versicherte mir, dass er so etwas zumindest nicht in seiner Buchhandlung hatte und er glaubte auch nicht daran, dass es dergleichen in gedruckter Form gab. Höchstens in einer mehrteiligen Reihe, die wiederum nicht meinen Vorstellungen entsprechen würde. Ich biss mir auf die Lippen. Das war natürlich alles andere als praktisch!
„Vielleicht schauen Sie einfach mal im Internet. Dort findet sich doch allerhand!“, schlug der Alte hilfsbereit vor. „Wofür brauchen Sie das denn?“
„Für eine Studie“, log ich ohne Zögern und blickte mich neugierig um. Die Bücher und großen Folianten waren wahllos aufeinander gestapelt worden, es gab keine bestimmte Ordnung. Dafür eine schier immense Auswahl. Die Regale an den Wänden waren voll, davor stapelten sich Werke von Goethe, Dante und Cervantes gemischt mit Brown, Olsen und Rowling bis unter die Decke. Es war ein kunterbuntes Chaos. Und keiner dieser Stapel sah besonders stabil aus. Ich fühlte mich unwohl. Was wenn einer dieser Stapel plötzlich umkippte?
Gleichzeitig packte mich jedoch auch eine kindliche Neugierde und ich wollte unbedingt wissen, was passieren würde, wenn ein Mensch unter diesen Massen von Wissen, diesen zahlreichen niedergeschriebenen Worten, begraben werden würde. Statt mich also selbst in die Nähe dieser Ungetüme zu begeben, fragte ich Herrn Trutz nach einem der Folianten ganz unten in einem Stapel. Ich hatte eines der größten Ungetüme ausgewählt, dass inmitten anderer Stapel stand. Trutz ging sogleich geschäftig an die Arbeit, dieses Werk aus zu graben. Er kam jedoch nicht weit, da ich vorgab zu stolpern und die Bücher anstieß. Zuerst wackelten sie nur bedenklich und ich fragte mich schon, ob ich es wagen konnte, noch einmal zu stolpern. Dann taten sie mir den gefallen und stürzten um. Es folgte eine Kettenreaktion und ringsum fielen durch die Erschütterung Bücher von den Regalen. Eines davon traf den Buchhändler mit der Kante unsanft am Kopf und er stürzte zu Boden. Kurz darauf war er von seiner Ware begraben worden und ich wagte zu bezweifeln, dass der alte gebrechliche Mann dies überlebt hatte.
Da mich dasselbe Schicksal zu ereilen drohte, rannte ich, die Arme schützend über den Kop gehoben zum Hinterausgang und verließ den Laden. Dort würde ich sowieso nichts mehr finden, was mir bei meinem Mordproblem weiterhelfen konnte.

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