9. Dezember 2013

Noch immer benötigte ich ein Geschenk für meine Nichte. Diesmal hatte ich mich in einen Schreibwarenladen verirrt, der etwas abseits der üblichen Einkaufsstraßen lag. Als ich eingetreten war und eine Glocke mich angekündigt hatte, war eine nette junge Verkäuferin aufgetaucht. Sie hatte mich begrüßt und stand nun hilfsbereit zu meiner Seite, um mich zu beraten. Mein Anliegen erklärend, blickte ich mich in dem Laden um. Neben den Füllern, Federmäppchen und Malutensilien, die im Schaufenster ausgelegen hatten, fand sich hier zudem eine bunte Menge anderer Bastelsachen, die sicherlich ein kleines Mädchenherz erfreuen konnten. So hoffte ich zumindest. Ich wusste nicht, ob meine Nichte wirklich gerne bastelte.
„Vielleicht ist ein Füller schon ausreichend“, überlegte ich laut.
Die junge Dame präsentierte mir eine Reihe von ausgewählten Schreibwerkzeugen. Ich nahm eines davon und ließ es durch meine Hand gleiten, nachdenklich, ob das auch wirklich das richtige Geschenk sei.
Plötzlich hörte ich Polizeisirenen und zuckte zusammen. Ich lauschte, schaute aus dem Fenster. Ein Streifenwagen rauschte vorbei. Allmählich entfernte sich der Wagen, das Signalhorn wurde immer leiser. Ich atmete auf, blickte wieder zu der Verkäuferin. Sie war kreidebleich und blickte auf meine Hand. Diese hatte noch immer den Füller umschlossen, der nun allerdings in der Brust der Frau steckte.
„Oh, tut mir Leid“, murmelte ich wahrheitsgemäß. Hastig zog ich das Instrument wieder aus dem Fleisch. Die Dame verdrehte die Augen und sackte bewusstlos zusammen.
Erschrocken blickte ich auf ihren Körper, dann auf den blutüberströmten Füller in meiner Hand. Ich biss mir auf die Unterlippe, schüttelte den Kopf. Dann zog ich die Frau in das Lager, aus dem sie erst vor ein paar Minuten mit einem freundlichen Lächeln getreten war. Ihre Wunde war alles andere als tödlich, doch sie hatte genau die Stelle getroffen, an der das Herz schlug. Missmutig saß ich auf einem Hocker und dachte nach. Ich ärgerte mich über mich selbst. Das war nun wirklich alles andere als geplant gewesen!
Ich erinnerte mich an meine bisherigen Opfer, an das Kind mit dem roten Schal, dass ich einen Moment lang ebenso bedauert hatte wie diese Frau. Ich nahm den Füller und stach mit voller Wucht auf den Hals ein, genau dorthin, wo die Halsschlagader war. Kurz darauf sah es aus, als ob sie einen ebenso roten Schal trug wie das Mädchen. Lediglich etwas…flüssiger.

Den Füller steckte ich ein und stellte zufrieden fest, dass ich dieses Mal wenigstens nicht blutbesudelt war. Anschließend nahm ich noch einen Füller, der ähnlich meiner Mordwaffe war, allerdings noch eingepackt, und steckte ihn ebenfalls ein, einen einzelnen Fünfzig-Euro-Schein auf dem Tresen zurücklassend. Ich verließ den Laden ungesehen.

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